Sonntag, 12. Februar 2012

Der alltägliche Wahnsinn...? (Tatort heute)


Ich schaue gerade den "Tatort" im Ersten. sehr verwirrend aber auch sehr berührend wie ich finde. Ok, die paranoid-schizophrene Dame im Film ist definitiv reif für therapeutische und medikamentöse Hilfe, dennoch Hilft sie entscheidend, den Fall aufzuklären. ich glaube es stellt sich generell die Frage: Wo hört eine "Macke" oder eine "kleiner Tick" auf und wo fängt "Krankheit" an?

Wer von uns hat nicht schonmal 2 oder sogar 3 mal kontrolliert, ob die Autotür auch wirklich abgeschlossen ist? Wer hat nicht bestimmte Rituale vor Wettkämpfen (ein bestimmter Knoten beim Schuhe binden) oder Prüfungen (Glücksbringer, immer dasselbe Glückshemd)? Aber nicht nur das: laut dem "Netzwerk Stimmenhören e.V." haben sogar 6-15% aller Menschen in ihrem Leben schon einmal Stimmen gehört- der Großteil davon, ohne psychisch krank zu sein. Manche Stimmenhörer kommen sogar ein Leben lang gut damit zu Recht. Sind diese Menschen also auch krank, oder doch noch irgendwie gesund?

Zurück zum Tatort: Als die Kommissarin die Dame endlich mit einem Therapeuten an einen Tisch bekommen hat möchte der Ehemann sie am liebsten gar nicht mehr mit nach Hause nehmen und bittet um eine Einweisung. Daraufhin erklärt der Therapeut sinngemäß: "Nur weil sie eine Psychose hat reicht das nicht, um sie zwangseinweisen zu lassen. Da müsste schon Selbst-oder Fremdgefährdung vorliegen". Manch einer wird sich nun denken: "Herrgott ist dieser Ehemann herzlos", auch wenn es bei der gezeigten Vorgeschichte wenige sein werden. Hierzu sei aus einem Psychiatrie-Seminar, welches ich an der Uni mal besucht hab, eine Psychiatrie-Ärztin zitiert: "Sie können mir glauben: Kein Angehöriger, der einen Kranken einweisen lässt, hat sich diese Entscheidung leicht gemacht! In der Regel haben diese Menschen vorher alles andere versucht!" Lässt man jetzt Motive wie Bösartigkeit oder Habgier für eine Entmündigung außen vor, ist das Zitat angebracht und richtig. Die Angehörigen- allen voran betroffene Kinder- haben meist einen ebenso harten und langen Leidensweg hinter sich wie der Kranke selbst.

Ohnehin werden sich aber die meisten denken: "Was für ein blöder Therapeut". Ok, auf den ersten Blick eine verständliche Einschätzung. Aber aus eigener Erfahrung über Praktika,...: Eine Einweisung in eine Klinik bedeutet für einen Patienten, der nicht einmal wahrnimmt, dass er krank ist, zunächst einmal eine enorme Einschränkung und keine Hilfe. Man muss den Betroffenen also langsam an den Klinikaufenthalt heranführen, solange dies möglich ist. Und wie man im Tatort gesehen hat, heißt psychisch krank sein nicht, dass im Kopf garnichts mehr geht. Nimmt man zum Beispiel Erkrankungen wie Autismus ist sogar manchmal das Gegenteil der Fall.

Insofern denke ich Alles in Allem hat der Tatort schön zum Nachdenken angeregt (was man auch an der Länge meines Textes sehen kann ;-)) und gezeigt, dass Krankheit viele Facetten und Konsequenzen haben kann. Und das es selbst in der verworrensten Situation noch einen Funken Logik und Licht am Ende des Tunnels geben kann :-)


Deshalb trotz all dieser Gedanken: schönen Abend an alle! :-)



Eure

Motte88

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen